Atatürk als Übermensch. Nietzsches Zarathustra und die Gründung der türkischen Republik
Dilek Dizdar, Professorin für Interkulturelle Germanistik, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Germersheim. Gesprächsleitung: Wolfert von Rahden, Berlin
Die Rolle, die Übersetzungen und Übersetzer in der Gestaltung von Kultur und Politik spielen, wird in Diskussionen zum Übersetzen, die seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend von Treuemotiven und einer an der linguistischen Gestaltung des Textes orientierten Auffassung geprägt sind, häufig übersehen. Studien zu Fällen in der Geschichte sind eine Möglichkeit, die Wechselwirkung von translatorischen Prozessen im engen Sinn (translation proper nach Jakobson) mit einer weiteren Auffassung von Translation als (kulturelle und politische) Transformation zu untersuchen. Ein besonders kondensiertes Beispiel für eine solche Wechselwirkung findet sich in der Anfangszeit der türkischen Republik. Es handelt sich dabei um vier verschiedene Fassungen von Nietzsches Also sprach Zarathustra aus den Jahren 1934, 1938, 1954 und 1959, alle von Mahmut Sadi Irmak, einem vom Republiksgründer Atatürk persönlich geförderter Wissenschaftler, der sich in der Folge zu einer bedeutenden politischen Persönlichkeit entwickelte.
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