Seeadler, Havel; Foto: Klemens Karkow
Tagung
Donnerstag, 15.12. – 17.12.2016

Ansichtssachen. Über das Sehen

Der abendländischen Tradition gilt das Sehen als der höchste Sinn – erkennen heißt gesehen haben. Die Nacht assoziiert sich mit den Schattengestalten der Unwissenheit, das sonnenklare Licht des Tages mit der Schau des Wahren. Doch ist das Sehen gegenwärtig der gefährdetste unserer Sinne: das Auge, selbst das bestens bewehrte, ist heute ein Abenteurer im Reich der trügerischen Evidenzen; fast alle Bereiche des menschlichen Lebens werden ihm, meist sogar freiwillig, offenbart oder aber, im Interesse des Schutzes, ins Licht der Überwachung gezerrt. Zugleich ist die Gewissheit verbürgende Kraft des Sehens inzwischen zum Spielball raffinierter technischer Manipulation geworden. Brauchen wir daher nicht eine Art Kritik der visuellen Vernunft, in dem Bewusstsein, dass unsere Bilder, seien sie materiell oder mental, uns weniger denn je ein wahres Abbild der Welt geben, sondern mehr noch der Ausdruck interessegeleiteter Ansichten von ihr sind?

Konzeption: Dominic Bonfiglio und Matthias Kroß, Potsdam
Teilnehmer: Peter Bexte, Köln; Christian Breuer, Berlin; Mazviita Chirimuuta, Pittsburgh; Arielle und Joann Eckstut, New York; Wolfgang Einhäuser-Treyer, Chemnitz; Peter Lamont, Edinburgh; Karlheinz Lüdeking, Berlin; Nicholas Mirzoeff, New York; Christa Pfafferott, Hamburg; Siegfried Saerberg, Wiehl; Martin Schaad, Potsdam; Alexander Strahl, Salzburg; Kate E. Tunstall, Oxford
 
 
TAGUNGSVERLAUF
(mit Simultanübersetzung vom Deutschen ins Englische)

 
 
Donnerstag, 15.12.2016

18.45
Eröffnung

I. AUFTAKT: IRRITATIONEN DES AUGES

19.00-21.00
Alexander Strahl
Assistenzprofessor für Didaktik der Physik, Universität Salzburg
Das betrogene Auge. Sinnestäuschungen von der Physik bis zur Kunst

Peter Lamont
Senior Lecturer, University of Edinburgh
Misdirection: When the Audience Looks but Does Not See
 
 
Freitag, 16.12.2016

II. SEHEN UND MENTALES BILD

10.00-12.00
Wolfgang Einhäuser-Treyer
Professor für die Physik kognitiver Prozesse, Technische Universität Chemnitz
Die Illusion visueller Wahrnehmung
(Vortrag evtl. in englischer Sprache:
The Illusion of Visual Perception)

Mazviita Chirimuuta
Assistant Professor in the Department of History and Philosophy of Science, University of Pittsburgh
Colour in the Scientific Image

III. POLITIK UND ETHIK DES SEHENS

12.15-13.15
Dr. Christian Breuer
Autor und Übersetzer, Berlin
„Und wo blicke können tödten…“ Der Malocchio als begehrlicher Augen/Blick

15.00-17.00
Dr. Martin Schaad
Zeithistoriker und Stellvertretender Direktor, Einstein Forum, Potsdam
WYSIWYG – Bildproduktion im Politischen

Nicholas Mirzoeff
Professor in the Department of Media, Culture, and Communication, New York University
How To See The World: Visual Activism in Dangerous Times

17.30-18.30
Dr. Christa Pfafferott
Regisseurin und Kulturwissenschaftlerin, Hamburg
Der panoptische Blick. Macht und Ohnmacht in der forensischen Psychiatrie
(mit Ausschnitten aus dem Film ANDERE WELT von Christa Pfafferott)

19.00
Ausstellungseröffnung
Sehen ist was anderes
Fotografien von Claudio Lange, Berlin
 
 
Samstag, 17.12.2016

IV. LUCEM POST NUBILA REDDIT? – VON LICHT UND BLINDHEIT IN DER AUFKLÄRUNG

10.00-11.30
Kate E. Tunstall, Assistant Professor of French, University of Oxford; Tutorial Fellow, Worcester College
Blindness and Enlightenment. A Conversation
Peter Bexte, Professor für Ästhetik, Kunsthochschule für Medien, Köln
Selected Blindness, or How to Look at Trees and Paintings with Denis Diderot

V. BLINDHEIT

12.00- 13.00
Dr. Siegfried Saerberg
Soziologe und Publizist, Wiehl
Nachtwanderungen in den lichten Landen. Eine blinde Ethnographie alltäglichen Sehens

VI. EXPONIERENDER/EXPONIERTER BLICK

15.00-16.00
Karlheinz Lüdeking
Professor für Kunstgeschichte und Kunstwissenschaft, Universität der Künste, Berlin
„Blick”, „Fleck” und „Schirm” (erläutert anhand eines Gemäldes aus dem Besitz von Lacan)

VII. FARBENLEHREN

16.00-17.30
Joann and Arielle Eckstut
Inroom Designer und Color Consultants, New York
The Secret Language of Color