Vortrag
Samstag, 8.12.2018, 10:00h

Björn Vedder

Warum Facebook-Freunde echte Freunde sind

Wie hängen Freundschaften mit unserem Wunsch zusammen, um unserer selbst willen geliebt zu werden bzw. in unseren persönlichen Beziehungen Anerkennung für unsere individuelle Persönlichkeit zu erlangen? Dafür scheinen mir die Freundschaften in digitalen Netzwerken wie Facebook exemplarisch zu sein. Ich bleibe aber nicht bei ihnen stehen. Mit dem Wunsch nach Anerkennung stellt sich Freundschaften das Problem eines pathologischen Narzissmus. Dem möchte ich einen Entwurf von Freundschaften als narzisstische Beziehungen gegenüberstellen, die nicht pathologisch sind, sondern aus den Freunden wenigstens halbwegs anständige Menschen machen – und gleichzeitig besser zu den Wünsche und Erwartungen passen, die Menschen heute an ihre Freundschaften haben, als tradierte Modelle wie die Kameradschaft, die Freundschaft in der Not oder die interessenlose Freundschaft. Mit diesen Überlegungen zur versittlichenden Kraft der Freundschaft schließe ich an Aristoteles’ Überlegungen zur Freundschaft als einer Beziehung an, die bestimmte Tugenden vermittelt, wie mein Vortrag überhaupt in der Tradition der philosophischen Eudämonie steht.

Björn Vedder, geboren 1976 in Brakel, hat Literaturwissenschaft und Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universität Bielefeld studiert. In Bielefeld wurde er 2008 mit einer Arbeit über Literatur und bildende Kunst promoviert. Er lebt als freier Autor in Herrsching am Ammersee und schreibt über Kunst, Literatur, und Philosophie, zudem kuratiert er Ausstellungen. Zu seinen Publikationen gehören Neue Freunde. Über Freundschaft in Zeiten von Facebook (2017), Erkenntnis und Spektakel. Über Kunst und Illusion (2014) sowie Wilhelm Heinse und der so genannte Sturm und Drang. Künstliche Paradiese der Natur zwischen Rokoko und Klassik (2011).

Homepage: www.bjoernvedder.de