Siegfried Lokatis
Antifaschismus und Zensur
Die Zensurforschung – und in der DDR war auch die Verlagspolitik eine Aufgabe der Zensurstellen – erlaubt eine vergleichsweise präzise Verortung mehr oder weniger zentral gesteuerter „antifaschistischer“ Narrative in ihrem zeitlichen Wandel und in ihrer politischen Zuordnung. So geht es nicht nur um die in dieser Frage zwecks Stabilisierung der Parteihierarchie unerbittliche Usurpation, Durchsetzung und Beobachtung eines fixierten Dogmas durch die SED-Führung zur Meistererzählung, sondern auch um die Ausprägung der schwer umkämpften modifizierten Diskursräume im Rahmen der Bündnispolitik, wie sie ihren Ausdruck etwa in den Verlagsprogrammen der Kirchen und Blockparteien, aber auch in den Belletristikverlagen mit Exiltradition fanden. Der Vortrag versucht nach mehr als zwei Jahrzehnten einen selbstkritischen Rück-und Überblick auf die oftmals gemeinsam mit Simone Barck verfassten einschlägigen Arbeiten des Referenten wie “Jedes Buch ein Abenteuer“, Fenster zur Welt, und Der rote Faden.
Siegfried Lokatis, geboren 1956, studierte Geschichte, Archäologie und Philosophie in Bochum und Pisa. 1991 wurde er bei Hans Mommsen in Bochum mit der Dissertation Hanseatische Verlagsanstalt. Politisches Buchmarketing im „Dritten Reich“ zum Dr. phil. promoviert. An der Universität Potsdam habilitierte er sich 2004 in Neuerer Geschichte. Von 2006 bis 2022 war er Professor für Buchwissenschaft an der Universität Leipzig. Zu seinen Veröffentlichungen zählen „Jedes Buch ein Abenteuer“. Zensur-System und literarische Öffentlichkeiten in der DDR bis Ende der sechziger Jahre (mit Simone Barck und Martina Langermann, 1997), Fenster zur Welt: eine Geschichte des DDR-Verlages Volk und Welt (Hg., mit Simone Barck, 2004), und Der rote Faden. Kommunistische Parteigeschichte und Zensur unter Walter Ulbricht (2003).
