Vortrag
Samstag, 11.6.2022, 15:45h

Gilbert Achcar

Whitening of the Jews and Misuse of Holocaust Memory

Der Begriff „Antisemitismus“ entstand ursprünglich, um europäische Juden und Jüdinnen als „nicht-weiß“ zu markieren und stand in Bezug zur Migration osteuropäischer Juden und Jüdinnen in westliche Länder im späten 19. Jahrhundert. Während das Ende des nationalsozialistischen Regimes nach 1945 das Weiß-werden europäischer Juden und Jüdinnen begünstigte, kam es durch die antikolonialen Befreiungskämpfe und die steigende Präsenz muslimischer Menschen in westlichen Ländern zu einer Verschiebung bei Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Unterstützung dafür kam durch den zionistischen Rechtsextremismus. Diese Veränderung des westlichen Rassismus forcierte auch das Weißsein europäischer Juden und Jüdinnen, um die Holocaust-Erinnerung zu pervertieren und zu einer ideologischen Waffe in antimuslimischen Agenden zu instrumentalisieren.

Gilbert Achcar ist Professor an der SOAS-University of London. Er lehrte und forschte zuvor in Beirut, Paris und Berlin. Achcar ist Autor zahlreicher Bücher, die in mehreren Sprachen veröffentlicht wurden. Sein Buch Die Araber und der Holocaust. Der arabisch-israelische Krieg der Geschichtsschreibungen (2010, dt.: 2012) untersucht die Bedeutung des Holocaust in der arabischen Welt.

Veranstaltung in englischer Sprache