Vortrag
Donnerstag, 29.11.2018, 19:00h

Rebekka Habermas

Professorin für Geschichtswissenschaft, Georg-August-Universität Göttingen

Was schulden wir kolonialen Objekten?

Zur Geschichte und Gegenwart einer schwierigen Beziehung

Im Anschluss Gespräch mit Prof. Dr. Lars-Christian Koch, Berlin

Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert brachten Forschungsreisende, Missionare, Kolonialbeamten und Kaufleute immer mehr Statuen, Fetische, Alltagsgeschirr aber auch ganze Häuser aus den Kolonien nach Deutschland. Dieser massenhafte Transfer von Dingen markiert nicht nur einen Moment kolonialer Gewalt, sondern stellt den Beginn einer sehr ungleichen Beziehung dar, deren Folgen bis heute sichtbar sind und die es doch neu zu entdecken gilt, will man Antworten auf die aktuelle Frage zum Umgang mit kolonialen Objekten finden: Einige Objekte wurden noch in der Kolonialzeit in Museen ausgestellt und erregten Aufmerksamkeit, etwa unter Malern wie Max Pechstein und Ludwig Kirchner, die seit 1900 Völkerkundemuseen in Berlin, Dresden und München besuchten und sich dort zu einigen ihrer schönsten Bilder inspirieren ließen. Andere wie etwa die Beninbronzen trugen dazu bei, dass akademische Disziplinen wie Ethnologie und Kunstgeschichte an deutschen Universitäten Fuß fassten, während sie in Westafrika, wo sie ursprünglich herkamen und eine wichtige religiöse Funktion gehabt hatten, schmerzlich vermisst wurden.

Rebekka Habermas wurde 1998 an der Universität Bielefeld habilitiert und ist seit 2000 Professorin für Mittlere und Neuere Geschichte an der Georg-August-Universität Göttingen. Seitdem war sie auch zu zahlreichen Fellowships und Gastprofessuren eingeladen.
Veröffentlichungen u.a.: Skandal in Togo. Ein Kapitel deutscher Kolonialherrschaft (2016) und Diebe vor Gericht. Die Entstehung der modernen Rechtsordnung im 19. Jahrhundert (2008).

Lars-Christian Koch ist Direktor des Ethnologischen Museums der Staatlichen Museen zu Berlin und Direktor der Sammlungen des Ethnologischen Museums im Humboldt Forum, Berliner Schloss.