Vortrag
Mittwoch, 12.1.2022, 15:00h

Carola Roloff

Hamburg

Tierethik und Tierrechte im Buddhismus?

Tiere gelten in der Lehre des Buddha nicht als Sache oder Gegenstand, sondern als fühlende Wesen. Nach buddhistischer Überzeugung möchten alle (fühlenden) Lebewesen Glück erreichen und Leid vermeiden. Deshalb stellt sich die Frage, ob es überhaupt eine von der buddhistischen Ethik getrennte Tierethik gibt. Weder gibt es den Buddhismus noch die buddhistische Ethik. Buddhistische Moraltheorie neigt zu großer Partikularität, und buddhistische Texte sind vielschichtig und mehrdeutig. Einige Texte leiten explizit dazu an, Tiere aus der Gefangenschaft zu befreien und vor Gefahren zu beschützen. Das buddhistische Bekenntnis umfasst die Verpflichtung, keine Lebewesen zu töten oder zu verletzen und zu allen Lebewesen unbegrenzte Liebe und Mitgefühl zu entfalten. Tiere können in einem früheren Leben schon einmal unsere Eltern gewesen sein. Und ein Mensch kann in einem nächsten Leben als Tier geboren werden. Dennoch ernähren sich nicht alle Buddhist:innen vegetarisch oder vegan. Gemeinsam wollen wir die komplexe Beziehung zwischen Menschen und Tieren im Kontext von Karma und Wiedergeburt sowie verschiedene Deutungsmuster beleuchten. Wie werden Tiere moralisch betrachtet, welche Rechte haben sie? Sollten wir Tiere im Sinne der Goldenen Regeln nicht so behandeln, wie wir auch selbst gern als Tier behandelt werden würden?

Carola Roloff ist ständige Gastprofessorin für Buddhismus an der Akademie der Weltreligionen der Universität Hamburg. Von 1981 bis 1996 studierte sie in Hamburg buddhistische Philosophie und Praxis mit Geshe Thubten Ngawang und ab 1997 Tibetologie und Indologie mit Schwerpunkt Buddhismuskunde (Magister 2003, Promotion 2009). Aktuell lehrt und forscht sie zu Buddhismus und Dialog in modernen Gesellschaften. Einer ihrer Schwerpunkte ist der sozial engagierte Buddhismus.