Ausstellung
Donnerstag, 19.4.2007, 19h

Claudio Lange

Künstler, Berlin

Schöne Scheiße

Zur Eröffnung spricht: Wolfram Kastner, München

„Schöne Scheiße“ sagen wir im Alltag, wenn wir uns ärgern. Dem chilenischen Maler Claudio Lange aber geht es in der Ausstellung um die Sache selbst – ästhetisch gewendet. Schon Milan Kundera näherte sich diesem Thema in seinem Roman „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“: „Das ästhetische Ideal des kategorischen Einverständnisses mit dem Sein [ist] eine Welt, in der die Scheiße verneint wird und alle so tun, als existierte sie nicht. Dieses ästhetische Ideal heißt Kitsch. […] Kitsch ist die absolute Verneinung der Scheiße, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne: Kitsch schließt alles aus seinem Blickwinkel aus, was an der menschlichen Existenz im wesentlichen unannehmbar ist.“
Ausgestellt werden Bilder, Texte und Arbeitsjournale von Claudio Lange, die die Geschichte seiner Beschäftigung mit dem Thema erzählen. Sie sollen mithelfen – so der Künstler –, dass uns „nicht ignorant diffamierend ein verkorkstes, sondern ein plausibleres Verhältnis zum Analen“ möglich wird.

Claudio Lange – Maler, Dichter, freier Wissenschaftler – ist 1944 in Santiago-Chile geboren und aufgewachsen. Er promovierte in Religions-wissenschaft an der Freien Universität Berlin und kehrte nach Chile zurück. Nach dem Putsch 1973 erhielt er Heimatverbot bis zur Mitte der achtziger Jahre und lebt seitdem in Berlin. Publikation u.a.: Der nackte Feind. Anti-Islam in der romanischen Kunst (Berlin 2004).