Vortrag
Sonntag, 12.6.2022, 17:30h

Jan Grabowski

Hijacking Memory of the Holocaust: From Treblinka, Through Auschwitz to the Warsaw Ghetto

In den letzten Jahren wurde es schleichend zur gängigen Praxis der polnischen Politik, die Geschichte des Holocaust verzerrt darzustellen. Unterstützung dafür kam von den unterschiedlichsten Institutionen. Der Versuch, die jüdische Erinnerung an die Ereignisse zu verdrängen, die jüdische Präsenz in historischen Ereignissen zu schwächen oder überhaupt zu entfernen, all das waren Aspekte dieser Politik. Heute nimmt sie in Polen verschiedene Formen an: etwa die Fokusverschiebung weg von jüdischen Opfern hin zu rechtschaffenen Nichtjuden und -jüdinnen, oder das Umfunktionieren von Orten, die an jüdisches Leid erinnern. Wie sehr die Geschichte der Shoah verfälscht und und verzerrt wird, lässt sich heute aber am deutlichsten an Orten jüdischer Erinnerung ablesen: in Treblinka, Auschwitz, oder am Gelände des ehemaligen Warschauer Ghettos.

Jan Grabowski ist Professor für Geschichte an der Universität Ottawa und Mitglied der Royal Society of Canada. Sein Interesse gilt dem Holocaust in Polen und den Beziehungen zwischen Juden und Polen während des zweiten Weltkriegs. Sein Buch Hunt for the Jews. Betrayal and Murder in German-Occupied Poland (2014) beleuchtet die Hetzjagd auf Juden während des zweiten Weltkriegs im besetzten Polen und wurde mit dem Yad Vashem International Book Prize ausgezeichnet.

Veranstaltung in englischer Sprache