Vortrag
Freitag, 8.5.2026, 16:45h

Hans Misselwitz

(Berlin)

“Herausfordernde Vergangenheit” / Aus Geschichte lernen? Über den Umgang mit „verstörenden Vergangenheiten“

Der Antifaschismus war eine Legitimationsfigur des zweiten deutschen Nachkriegsstaates, im Gegensatz zum anderen deutschen Staat, der sich im Kalten Krieg dagegen antikommunistisch definierte. Dass sich die DDR am Ende selbst auflöste, erklärt sich auch durch die offenkundige Erosion ihrer ideologischen Bindungskraft, jedoch nicht in ihrem Selbstverständnis als antifaschistische Alternative. So fand sich die Bevölkerung im Osten nach 1990 in einer Ordnung neuer politischer Freiheiten und einer Wirklichkeit wieder, in der ihre gelebte historische Verortung politisch nicht mehr galt. Das lässt sich im Umgang mit politischen Herausforderungen bis in die Gegenwart beobachten.
Der Beitrag will einem Lernprozess in der DDR nachgehen und dessen Bedeutung für heute; biografisch den eigenen Zugang zum Antifaschismus nachzeichnen und den gesellschaftlichen Umgang mit dem Thema, den Gedanken an einen politischen oder moralisch gebotenen Widerstand, der sich jeweils in der Gegenwart bewähren muss.

Dr. Hans J. Misselwitz, geb. 1950 in Altenburg (Thüringen), studierte Biologie/Biophysik in Jena und Berlin, promovierte zum Dr. rer. nat. 1980 an der Akademie der Wissenschaften. 1981-1986 Studium der Theologie an Kirchlicher Hochschule. 1987-88 Stipendiat des Weltrates der Kirchen in den USA. 1989 Pfarrer in Hennigsdorf bei Berlin. Von 1981-1989 engagiert im Friedenskreis Pankow und der unabhängigen Friedensbewegung in der DDR. 1990 Mitglied der 10. Volkskammer der DDR, Parlamentarischer Staatssekretär im Außenministerium der DDR, Leiter der DDR-Delegation bei den Zwei-Plus-Vier-Verhandlungen. 1991-1999 Leiter der Landeszentrale für Politische Bildung des Landes Brandenburg. 1999-2015 im Parteivorstand der SPD u.a. Büroleiter des Stellvertretenden Parteivorsitzenden Thierse und Sekretär der Grundwertekommission, Referent für Grundsatzfragen. Seit 2015 Mitglied der Grundwertekommission beim Parteivorstand der SPD. Publikationen zu den außenpolitischen Entscheidungen von 1990 und danach und zur politischen Entwicklung in Ostdeutschland, u.a. Nicht länger mit dem Gesicht nach Westen. Das neue Selbstbewusstsein der Ostdeutschen (1996).