Vortrag
Freitag, 8.5.2026, 14:30h

Regina Scheer

(Berlin)

Heimkehr in Ruinen. Remigranten in den ersten Jahren der DDR zwischen Hoffnung, Disziplin und Absturz

Die Gründe für Exilanten, nach 1945 in die DDR zurückzukommen, waren unterschiedlich. Es gab die, die auch im Exil gegen den Nationalsozialismus gearbeitet hatten, die oft die Rückkehr herbeigesehnt hatten und nun darauf brannten, ein neues Deutschland aufzubauen. Aber sie hatten unterschiedliche Erfahrungen gemacht, die sogenannten Westemigranten andere als die, die in der Sowjetunion den stalinistischen Terror aus der Nähe erlebt hatten. Auch schwelten die politischen Auseinandersetzungen der Weimarer Republik unter den Zurückgekehrten weiter.

Manchen wurde die Rückkehr verwehrt.

Einige jüdische Rückkehrer kamen, weil sie im Ausland keine Existenzgrundlagen gefunden hatten, weil sie sich trotz allem der deutschen Kultur zugehörig fühlten. Von denen verließen viele die DDR, nachdem im Schatten des Slansky-Prozesses, des Rajk-Prozesses, der sogenannten Ärzteverschwörung in der SU Anzeichen für einen neuen Antisemitismus nicht zu übersehen waren. Die meisten Kommunisten unter den jüdischen Remigranten blieben, trotz allem fühlten sie sich dem Projekt des Aufbaus einer sozialistischen Gesellschaft verbunden.

Manche wurden in der widerspruchsvollen DDR-Wirklichkeit zerrieben, andere waren beruflich sehr erfolgreich, einige machten Karriere, viele übten sich im Schweigen und Verdrängen, zogen sich aus dem öffentlichen Leben zurück oder wurden herausgedrängt. Nicht wenige sahen sich auch in den folgenden Jahren gezwungen, aus der DDR zu fliehen, obwohl es für sie keinen Ort gab. In dem Vortrag werden an Fallbeispielen die vielfältigen Strategien derjenigen untersucht, die voller Zukunftshoffnung zurückgekehrt waren und deren Wissen und Welterfahrung, deren „Anmut, Leidenschaft und Verstand“ zum Reichtum der DDR gehörten, hätten gehören können.

Regina Scheer, 1950 geboren, beschäftigte sich früh mit Oral History, recherchierte zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Berlin und zur jüdischen Geschichte. Sie arbeitete an Filmen und Ausstellungen mit und ist Autorin mehrerer Bücher.