Vortrag
Donnerstag, 1.2.2018, 19h

Christopher Otter

Associate Professor of History, Ohio State University, Columbus

Diet for a Large Planet. The World Food System, Human Health and Ecological Overshoot

Gesprächsleitung: Dr. Mischa Gabowitsch, Potsdam

Die Einsicht, dass die Menschheit mit ihrem gegenwärtigen Konsumverhalten die Belastbarkeit des Planeten überschreitet – das Konzept des ecological overshoot – ist zentral für das Verständnis des Anthropozäns. Christopher Otter untersucht die Ursprünge der “ökologischen Überschreitung” mithilfe einer Fallstudie über das Wachstum und die Entwicklung des Welternährungssystems seit dem achtzehnten Jahrhundert. Hierbei konzentriert er sich besonders auf Großbritannien. Dessen frühe Industrialisierung basierte auf der ökonomischen Prämisse, dass die Welt in Produktions- und Agrarzonen aufgeteilt werden könne. Ferntransporte von Konsumgütern und Nahrungsmitteln würden die landwirtschaftliche Peripherie mit dem urbanisierten Kern verbinden. Dieses Modell, das seine eigenen ökologischen Folgen weitgehend ignorierte, wurde zur Grundlage für viele spätere Entwicklungsprojekte. Christopher Otter richtet sein Augenmerk besonders auf Fleisch, Weizen und Zucker und untersucht auch die komplexen und ambivalenten körperlichen Auswirkungen einer Ernährung, die reich an diesen Nahrungsmitteln ist. Doch geht es ihm im Kern um die ökologischen Konsequenzen eines Fußabdrucks, der die lokale Belastbarkeit weit überschreitet, und um den Zusammenhang zwischen diesen historischen Entwicklungen und den gegenwärtigen Nahrungsmittelkrisen in der Welt.

Christopher Otter ist Associate Professor of Modern European History an der Ohio State University. Nach dem Studium an den Universitäten Oxford und Exeter promovierte er 2002 an der University of Manchester. Sein Forschungsinteresse gilt der Geschichte des modernen Großbritanniens, mit besonderem Augenmerk auf Wissenschafts- und Technikgeschichte, der Geschichte des öffentlichen Gesundheitswesens, sowie der Umwelt- und Ernährungsgeschichte. Sein mehrfach ausgezeichnetes Buch The Victorian Eye: A Political History of Light and Vision in Britain, 1800-1910 ist im Jahre 2008 erschienen. Derzeit arbeitet er an einem Buch über Diet for a Large Planet: Food, World-Ecology, and the Making of Industrial Britain.