Vortrag
Mittwoch, 6.11.2019, 19:00h

Dr. Sabine Hossenfelder

Research Fellow, Frankfurt Institute for Advanced Studies, Frankfurt/Main

Das hässliche Universum. Wie schöne Theorien die Physik in die Irre führen

Gesprächsleitung: Prof. Dr. Thomas Naumann, Zeuthen

Physikerinnen und Physiker glauben häufig, dass die besten Theorien schön, natürlich und elegant sind: Was schön ist, muss wahr sein. Sabine Hossenfelder zeigt jedoch, dass die Physik sich damit verrannt hat: Der Glaube an Schönheit ist so dogmatisch geworden, dass er nun in Konflikt mit wissenschaftlicher Objektivität gerät: Experimentelle Beobachtungen können die kühnsten Theorien, wie zum Beispiel die Supersymmetrie, nicht bestätigen. Gleichwohl fließen hohe Fördergelder in diese Forschungsbereiche. Um aus dieser Sackgasse herauszukommen, muss die Physik ihre Methoden überdenken. Nur wenn sie die physikalische Realität unabhängig von ästhetischen Werturteilen betrachtet, kann Naturwissenschaft die empirische Wirklichkeit angemessen beschreiben. Und nur dann ist wieder ein Fortschritt in der gegenwärtig stagnierenden Theorieentwicklung der Physik möglich.

Sabine Hossenfelder wurde 2003 an der Goethe-Universität Frankfurt im Fach Theoretische Physik promoviert. 2003/2004 war sie Mitarbeiterin des GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt und ging dann als Postdoctoral Research Fellow an das Department of Physics der University of Arizona. Es folgten Forschungsaufenthalte am Department of Physics der University of California und am Perimeter Institute in Waterloo, Ontario. Ab 2009 war sie Assistant Professor am Nordic Institute for Theoretical Physics in Stockholm. Seit 2015 forscht sie am Frankfurt Institute for Advanced Studies zu Astrophysik, Gravitation und Teilchenphysik. Sie schreibt regelmäßig Artikel über die physikalische Forschung für ein breiteres Publikum. 2018 erschien ihr kontrovers diskutiertes Buch Das hässliche Universum. Warum unsere Suche nach Schönheit die Physik in die Sackgasse führt.