Philipp Misselwitz
Architekturen für eine solidarische Stadt in der Migrationsgesellschaft
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In einer zunehmend durch Flucht und Migration geprägten Gesellschaft werden Städte zu Laboren des Zusammenlebens und Aushandlungsorte für ein neues Solidaritätsverständnis. Stadtquartiere, Wohntypologien und öffentliche Räume werden allerdings oft als Orte diskutiert, in denen sich Überforderung und die Krise sozialer Kohäsion manifestieren. Am Beispiel der im Teilprojekt “Architekturen des Asyls” (SFB 1265) untersuchten Unterbringungstypologien für Geflüchtete diskutiert der Beitrag aktuelle Konflikte, aber auch Chancen, die Bedingungen und Infrastrukturen für ein solidarisches Zusammenleben in der Migrationsgesellschaft neu zu denken und planerisch zu befördern. Im Mittelpunkt stehen hierbei die emanzipatorischen Praktiken der Geflüchteten selbst, die im Alltag durch Raumaneignungen versuchen, die Grenzen ambivalenter Fürsorge und Kontrolle in vorstrukturierten und vermachteten Versorgungsräumen verordneter Solidarität zu überwinden und städtische Räume als Orte des selbstgestalteten Ankommens zu erschließen. Wenn es gelingt, Quartiere und Städte als komplexe, emanzipatorische Raumanordnungen neu zu denken, entstehen die Bedingungen für eine transformative Aushandlung von Solidarität und Überwindung gegenwärtiger Trends zu sozialräumlicher Polarisierung und Segregation.
Philipp Misselwitz ist ein Architekt und Stadtplaner. Er studierte an der University of Cambridge und der Architectural Association London und promovierte an der Universität Stuttgart mit einer Forschung zu urbanisierten Flüchtlingslagern. Im Jahr 2008 initiierte er ein EU-gefördertes Forschungsprojekt, das zur Entwicklung gemeinschaftsorientierter Verbesserungspläne in palästinensischen Flüchtlingslagern im Nahen Osten führte. Er arbeitete für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) sowie als Berater für das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten, bevor er von 2010 bis 2013 den Lehrstuhl für Internationalen Städtebau an der Universität Stuttgart übernahm. 2013 wurde er zum Leiter der Habitat Unit am Institut für Architektur der Technischen Universität Berlin berufen. Seine aktuelle Forschung konzentriert sich auf nutzergetriebene Stadtentwicklung in Europa und dem Globalen Süden, ländliche Urbanisierungsprozesse, translokale Raumproduktion sowie transdisziplinäre Lehrmethoden im Bereich des urbanen Designs.
