Kristen Ghodsee
Antifascism, Anti-colonialism, and the “New Feminism”
[Antifaschismus, Antikolonialismus und der „neue Feminismus“]
1975 hielt die Internationale Demokratische Frauenföderation, die größte und wohl einflussreichste internationale Frauenorganisation der Nachkriegszeit, ihren Kongress zum 30-jährigen Bestehen in Ostberlin ab. Vom 20. bis 24. Oktober nahmen über 2.000 Männer und Frauen aus 141 Ländern teil, darunter Vertreter*innen aus 43 afrikanischen Ländern, von denen viele gerade erst von der kolonialen Unterdrückung befreit worden waren oder noch immer dagegen kämpften. Für viele Frauen aus dem Globalen Süden, insbesondere aus dem südlichen Afrika, dienten die Sprache des Antifaschismus und die historische Rolle, die Frauen als Kämpferinnen in antifaschistischen Kämpfen spielten, als wichtige Inspiration für ihre eigenen antikolonialen Kämpfe. Zu behaupten, dass diejenigen, die Frauenrechte mit umfassenderen Fragen des Antikolonialismus und der nationalen Unabhängigkeit verbanden, bloße Marionetten des kommunistischen Internationalismus waren, bedeutet, die mobilisierende Kraft gemeinsamer Widerstände zu ignorieren und den Aktivist*innen des 20. Jahrhunderts ihre eigene historische Handlungsfähigkeit abzusprechen.
Kristen R. Ghodsee ist Professorin für Russistik und Osteuropastudien an der University of Pennsylvania, wo sie zudem Mitglied der Graduiertengruppen für Anthropologie und Geschichte ist. Sie ist Autorin von zwölf Büchern. Ihre Artikel und Essays wurden in über 25 Sprachen übersetzt und erschienen in Publikationen wie der Washington Post, der New York Times, Foreign Affairs, Jacobin, The New Republic, Le Monde Diplomatique und Die Tageszeitung. Ghodsee war als Forschungsstipendiatin am Institute for Advanced Study in Princeton, New Jersey; am Radcliffe Institute for Advanced Study der Harvard University; am Woodrow Wilson International Center for Scholars in Washington, D.C.; dem Freiburger Institut für Höhere Studien in Deutschland; dem Imre-Kertész-Kolleg an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena, Deutschland; dem Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock, Deutschland; dem Aleksanteri-Institut der Universität Helsinki in Finnland; sowie am Zentrum für Geschichte an der Sciences Po in Paris. Im Jahr 2012 wurde Ghodsee für ihre Arbeit in den Bereichen Anthropologie und Kulturwissenschaften mit einem John-Simon-Guggenheim-Stipendium ausgezeichnet. In den Jahren 2025–2026 ist Ghodsee Senior Honorary Fellow am Einstein Forum in Potsdam, Deutschland.
