Misc.
Sunday, Jun 14, 2026, 2:00 PM
Ort: Einsteinhaus, Caputh

Einsteins Zeitmaschine. Leben und Werk der Komponistin Julia Kerr

Lesung und Musik

Caputh, in den 1920er Jahren. Bei einer Abendgesellschaft präsentiert Albert Einstein seine neueste Erfindung: eine Zeitmaschine. Doch in welche Epoche soll die Reise gehen? Mit dieser Szene beginnt die Oper „Der Chronoplan“, ein Werk der Komponistin Julia Kerr (1898–1965).
Julia Kerr war eine aufstrebende Komponistin, deren Karriere durch die Flucht vor den Nationalsozialisten jäh endete. Als Frau des Theaterkritikers Alfred Kerr und Mutter der Autorin Judith Kerr sowie des Richters Michael Kerr blieb ihre eigene Geschichte oft hinter der Erinnerung an ihre Familie zurück. Während des 15-jährigen Exils in der Schweiz, Frankreich und schließlich in England war sie die Hauptversorgerin der Familie. 1947 kehrte sie allein nach Deutschland zurück und erlebte die Nürnberger Prozesse als Übersetzerin.
Bei ihrer Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland trug Julia Kerr die Partitur ihrer Oper stets bei sich und nahm nach ihrer Rückkehr die Arbeit daran wieder auf. Ende der 1940er Jahre wurde die Oper, zu der Alfred Kerr den Text beigetragen hatte, erstmals aufgenommen und im Radio ausgestrahlt. Erst rund 90 Jahre später, im Januar 2026, wurde „Der Chronoplan“ nach aufwändiger Rekonstruktion am Staatstheater Mainz uraufgeführt.
Die Stiftung Exilmuseum bringt Julia Kerrs Musik in Kooperation mit dem Einstein Forum und dem Staatstheater Mainz nun erstmals an den Schauplatz ihrer Oper. Im Garten von Einsteins Sommerhaus in Caputh werden Ausschnitte der Oper aufgeführt, begleitet von einer Lesung zu Julia Kerrs Leben und Werk sowie einer künstlerischen Intervention der deutsch-britischen Künstlerin Sophie von Hellermann.