Freitag, 2.2.2007, 15:00h

David Konstan

Professor of Classics, Brown University, Providence, Rhode Island

Fear and Anxiety. The View from Ancient Greece

Die Konzeption, die die griechische Antike von der Furcht und von Gefühlen generell hatte, entspricht nicht genau unserem modernen Verständnis davon. Für Aristoteles war Furcht kognitiv vermittelt und intentional. Das heißt, dass sie wesentlich auf rationalen Urteilen darüber beruht, was eine Gefahr darstellt. Daher können die nicht-rationalen Tiere und noch nicht erwachsene Menschen sich nicht fürchten. Die Beurteilung der Gefahr ist ein untrennbares Konstituens der Emotion. Man kann daher nicht von einem bloßen »Fühlen« der Furcht sprechen. Aristoteles’ Auffassung war zwar sehr wirkmächtig, sie macht es aber schwierig, Angst zu erklären, denn Angst ist frei flottierend und hat kein offensichtliches Objekt: Man kann also kein rationales Urteil über eine mögliche Gefahr treffen. Eine Generation später behauptete Epikur, dass die Mehrheit der Menschen unaufhörlich von einer irrationalen Todesfurcht beherrscht werde. Für ihn war diese Angst irrational, da der Tod uns nichts anhaben könne und damit keine Bedrohung darstelle. Obwohl auch Epikur die Furcht prinzipiell weiterhin als kognitiv vermittelt interpretiert, so kommt diese irrationale Furcht doch dem am nächsten, was im modernen Verständnis die Angst ist.

David Konstan, geb. 1940, studierte zunächst Mathematik, dann Griechisch und Latein an der Columbia University, wo er 1967 promovierte. Von 1967–87 war er Professor für Altphilologie an der Wesleyan University, von 1972–74 dort auch Direktor des Humanities Program. Seit 1987 ist er Professor für Klassische Philologie und Vergleichende Literaturwissenschaften an der Brown University, seit 1992 John Rowe Workman Distinguished Professor of Classics and the Humanistic Tradition. Außerdem ist er Professor an der Graduate Faculty of Theatre, Speech and Dance. Zahlreiche Gastprofessuren und Einladungen, u.a. in Manchester, Edinburgh, am King’s College Cambridge, Mexiko, Sao Paolo, Sidney, Austin und Kairo.
Ausgewählte Veröffentlichungen: Roman Comedy (1983); Sexual Symmetry. Love in the Ancient Novel and Related Genres (1994); Greek Comedy and Ideology (1995); Friendship in the Classical World (1997); Pity Transformed (2001); The Emotions of the Ancient Greeks. Studies in Aristotle and Classical Literature (2006)