Vortrag
Samstag, 16.12.2017, 15:45h

Dr. Kyllikki Zacharias

Kuratorin der Nationalgalerie, Sammlung Scharf-Gerstenberg, Berlin

Surreale Sachlichkeit oder die Wirklichkeit als Offenbarung

Das Interesse der französischen Surrealisten an Grenzerfahrungen ist bekannt. Dabei ging es ihnen weniger um psychologische Aufarbeitung, als um konkrete Nachrichten aus einem Jenseits, das sie im Diesseits vermuteten. Mithilfe (para-)psychologischer Techniken machten sie sich auf die Suche nach dem „Wunder“. Weniger bekannt sind ähnliche Tendenzen in der Kunst der Neuen Sachlichkeit, die zwischen den beiden Weltkriegen zeitgleich zum Surrealismus in Deutschland entstand. Nicht allein in der Kunst sondern auch in der Literatur, der Architektur, in der Politik oder der Wirtschaft reagierte man auf die Schrecken des Ersten Weltkrieges mit einer Suche nach einem vermeintlich „rein Sachlichen“, um die Abgründe der Psyche zu überbrücken. Doch offenbaren sich bei einem näheren Vergleich der beiden Kunstbewegungen erstaunliche Ähnlichkeiten.

Kyllikki Zacharias, Studium der Kunstgeschichte und Slawistik in Rom. Promotion über den russischen Symbolisten Michail Wrubel. Seither im musealen Bereich tätig: zunächst an der Kunsthalle Düsseldorf, später am Museum Folkwang in Essen, den Berliner Festspielen und ab 2009 an der Berliner Nationalgalerie mit Ausstellungen zur Romantik, Klassischen Moderne und dem Surrealismus im weitesten Sinne (zuletzt: „Surreale Sachlichkeit“, Nationalgalerie, Sammlung Scharf-Gerstenberg).