Lecture
Wednesday, Nov 30, 2022, 7:00 PM

Martin Mittelmeier

Professor für Neuere Deutsche Literatur, Universität zu Köln

Kritik der Aufklärung. Und warum wir sie dennoch dringender denn je brauchen

Gesprächsleitung: Falko Schmieder, Berlin

Live im Einstein Forum, bitte tragen Sie im Haus eine medizinische Maske.
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Aufklärung scheint in diesen Tagen notwendiger denn je: als Instrument gegen Verschwörungsmythen, populistische Propaganda, autoritäre Ideologien, gegen fake news. Um so beunruhigender ist die These, die Max Horkheimer und Theodor W. Adorno in ihrer Dialektik der Aufklärung aus den 1940er Jahren entworfen haben, wonach der europäische Faschismus nicht aus dem Versagen, sondern geradezu als Konsequenz ebendieser aufklärerischen Geste entstanden sein soll.
Martin Mittelmeier ist in seinem neusten Buch Freiheit und Finsternis der Entstehung dieses philosophiegeschichtlichen Klassikers nachgegangen. Er spürt den vielfältigen Einflüssen nach, die die Autoren im kalifornischen Exil aufgenommen haben. Dabei begegnet man so unterschiedlichen Personen wie Hannah Arendt, Charlie Chaplin, Thomas Mann, Walter Benjamin, Bertolt Brecht oder Arnold Schönberg. Von diesen Begegnungen und Einflüssen wird Martin Mittelmeier auch in seinem Vortrag berichten und den Fragen nachgehen, ob man dieses als schwer und düster geltende Buch nicht auch ganz anders lesen kann und inwieweit die Thesen der Dialektik der Aufklärung für unsere heutige Auseinandersetzung mit Autoritarismus, Populismus und Rassismus nutzbar zu machen sind.


Martin Mittelmeier
war von 2001 bis 2012 Lektor im Luchterhand Literaturverlag und von 2012 bis 2014 Programmleiter des Eichborn Verlags. Seitdem ist er freier Lektor und Autor und lehrt Neuere Deutsche Literatur am Institut für Deutsche Sprache und Literatur I der Universität zu Köln. 2013 ist von ihm erschienen Adorno in Neapel. Wie sich eine Sehnsuchtslandschaft in Philosophie verwandelt, 2016 folgte Dada. Eine Jahrhundertgeschichte.

Falko Schmieder ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt »Das 20. Jahrhundert in Grundbegriffen. Lexikon zur historischen Semantik in Deutschland« am Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung, Berlin, und lehrt als Privatdozent am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin. 2016 erschien Begriffsgeschichte und historische Semantik. Ein kritisches Kompendium (mit Ernst Müller).