Lecture
Thursday, Jan 20, 2022, 7:00 PM

Achim Landwehr

Professor für Geschichte der Frühen Neuzeit, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf,
kommentiert

Der Hochverrat des Amtmanns Povel Juel

und diskutiert mit dem Autor Martin Schaad, Potsdam
 
Moderiert von Rüdiger Zill, Potsdam

 
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Kopenhagen 1723. Der norwegische Amtmann Povel Juel soll Peter dem Großen angetragen haben, eine russische Kolonie auf Grönland zu errichten. Auf dem Weg dorthin wollte er Island, die Färöer und Norwegen erobern – mithin Erblande des dänischen Königs. Ein verwegener Hochverrat, der das Machtgefüge im Norden Europas durcheinandergewirbelt hätte, wäre der Plan nicht ans Licht gekommen. So aber ließ der König seinen Amtmann grausam hinrichten. In seinem Buch unterzieht Martin Schaad die Prozessakten einer Revision und versucht damit, Povel Juel zu rehabilitieren.
In seinem Essay zur Geschichtstheorie (Die anwesende Abwesenheit der Vergangenheit, 2016) hat Achim Landwehr neben vielen anderen Überlegungen auch die Folgende angestellt: „… jedes Sprechen über die Vergangenheit verändert diese Vergangenheit …. Jede Beschreibung eines Ereignisses findet nicht nur nach dem Ereignis statt, sondern jede Beschreibung eines Ereignisses findet auch immer vor dem Ereignis statt – weil das Ereignis nach der Beschreibung nicht mehr das gleiche sein wird wie vor dem Ereignis.“
Was nun aber, wenn dies nicht als demütige Zurückhaltung vor einem überzogenen Wahrheitsbegriff verstanden, sondern explizit zum Programm erhoben wird? Wenn nicht nur die Revision eines Ereignisses, sondern die Rehabilitation eines verurteilten Hochverräters das erklärte Ziel ist? Offenbaren sich hier die Unterschiede der juristischen und historischen Urteilsfindung? Und ist das überlieferte historische Material überhaupt geeignet, eine solche Veränderung der Vergangenheit zu untermauern? Und schließlich: Welches Erkenntnisinteresse könnte mit einem solchen Vorhaben verbunden sein? Diese und andere Fragen diskutieren Achim Landwehr und Martin Schaad.

Achim Landwehr forscht und lehrt seit 2008 als Professor für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Neuere Publikationen: Historische Diskursanalyse (vollständig überarbeitete Neuausgabe der Geschichte des Sagbaren, 2008); Kulturgeschichte (2009); Geburt der Gegenwart. Eine Geschichte der Zeit im 17. Jahrhundert (2014); Die anwesende Abwesenheit der Vergangenheit (2016) und zuletzt Diesseits der Geschichte. Für eine andere Historiographie (2020).
 
Martin Schaad ist seit 1998 wissenschaftlicher Mitarbeiter und seit 2005 stellvertretender Direktor des Einstein Forums. Neuere Publikationen: „Dann geh doch rüber”. Über die Mauer in den Osten (2009); Die fabelhaften Bekenntnisse des Genossen Alfred Kurella (2014) und zuletzt Brennen sollstu! Die Hexen von Poel (2021). Das hier diskutierte Buch Der Hochverrat des Amtmanns Povel Juel (2020) ist als Open-Access PDF kostenlos unter www.transcript-verlag.de verfügbar.