Clemens Meyer
Die Projektoren
Lesung und Gespräch mit Franziska Bomski, Potsdam
Auch im Live-Stream via Zoom
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Clemens Meyer ist kein Vielschreiber, sondern ein skrupulöser Gegenwartsautor, der sich viel Zeit für seine ästhetisch avancierten Texte lässt. An seinem jüngsten Roman Die Projektoren (2024) hat er mehr als zehn Jahre gearbeitet. Das beindruckende Epos verwebt gleichermaßen verspielt wie eindringlich, realistisch wie fantastisch, die Erzählung der Jugoslawienkriege, von ihren Anfängen bis hin zu ihren Auswirkungen auf das Europa unserer Gegenwart, mit den Schicksalen teils tragischer, teils skurriler Figuren. Nicht zuletzt ist der Montageroman eine Hommage an das Kino als Traumfabrik im besten Sinne und ein Fest der Fiktion: Dr. (Karl) May tritt als weltreisender Visionär auf, dessen Spuren der Protagonist des Romans nach einem abenteuerlichen Leben, unter anderem als Partisan, Komparse bei den im Velebit-Gebirge gedrehten Winnetou-Filmen und Heftchen-Romane schreibender Gastarbeiter in Deutschland, schließlich nachfolgt. Was wäre, fragt der Erzähler, wenn sich die Waffen des Kriegs zu fotografischen Flinten wandelten, die das Gegenüber nicht ermorden, sondern in den Blick nehmen?
Clemens Meyer, 1977 geboren in Halle/Saale, wuchs in Leipzig auf, wo er auch heute als freischaffender Autor lebt und arbeitet. 1998 bis 2003 studierte er am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, begleitet von weiteren Gelegenheitsjobs etwa als Wachmann, Möbelpacker oder Gabelstaplerfahrer. 2006 erschien sein Debütroman Als wir träumten, es folgten Die Nacht, die Lichter. Stories (2008, Preis der deutschen Buchmesse), Gewalten. Ein Tagebuch (2010), der Roman Im Stein (2013), die Frankfurter Poetikvorlesungen Der Untergang der Äkschn GmbH (2016) und die Erzählungen Die stillen Trabanten (2017). Der Roman Die Projektoren wurde mit dem Bayerischen Buchpreis 2024 und dem Preis der LiteraTour Nord 2025 ausgezeichnet und stand auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2024. Für sein Gesamtwerk erhielt Clemens Meyer den Lessing-Preis 2025 des Freistaates Sachsen.
