Vortrag
Dienstag, 21.11.2017, 19h

Susan Neiman

Professorin für Philosophie, Direktorin des Einstein Forums, Potsdam

Widerstand der Vernunft in postfaktischen Zeiten

Gesprächsleitung: Dr. Martin Schaad, Potsdam

Fake news, Lügen und Verschwörungstheorien prägen derzeit das politische und öffentliche Leben und erzeugen ein Klima des Misstrauens, der Unsicherheit und der Angst, das den Rechtspopulisten in die Hände spielt. Zugleich zerstören sie eine gemeinsam geteilte Wirklichkeit – die Grundlage jeder Form von Gemeinschaft. Wie konnte es dazu kommen? Was erklärt den Erfolg rechter, rassistischer und antidemokratischer Bewegungen?
Susan Neimans Spurensuche führt in die noch junge, gleichwohl vergessene oder verklärte Vergangenheit der späten 1980er Jahre, in die Zeit der Präsidentschaft Ronald Reagans und des Falls der Berliner Mauer. Damals wurden die Weichen gestellt – für die endgültige Verabschiedung der Idee des Sozialismus wie für den Beginn eines Kapitalismus, der in der Abwesenheit jeden Gegenbildes zunehmend alle Werte auf Marktwerte reduzierte. Neben dem Neoliberalismus hat aber auch die postmoderne und postkoloniale Theoriebildung dem Rechtspopulismus den Weg geebnet. Denn postmoderne Theoretiker, auf die sich etwa auch Breitbart News bezieht, haben jene Kultur des Misstrauens gefördert, auf der Populisten heute ihre Argumentation aufbauen. Und postkoloniale Theorien haben einen Partikularismus begünstigt, auf den sich heute auch sogenannte Identitäre Bewegungen stützen.
Dem entgegen setzt Susan Neiman eine Rehabilitierung aufklärerischer Konzepte des Universalismus, der Wahrheit und der kantischen Idee von Idealen.

Susan Neiman ist Direktorin des Einstein Forums. Zuvor lehrte sie als Professorin für Philosophie in Yale und Tel Aviv. Inhaltliche Schwerpunkte ihrer Arbeit sind Moralphilosophie, politische Philosophie und Philosophiegeschichte.