Vortrag
Donnerstag, 8.6.2017, 19h

Dr. Gerd Hankel

Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur

Weiterleben in verschiedenen Wahrheiten. Ruanda nach dem Völkermord

Gesprächsleitung: Prof. Dr. Jan Philipp Reemtsma, Hamburg

Wie entwickelt sich ein Land nach einem Völkermord? Wie leben Täter und Opfer zusammen? Welche Wahrheit bildet das Fundament des Zusammenlebens? Und welcher Gebrauch wird von dieser Wahrheit nach innen bzw. nach außen gemacht? Mit welchem Erfolg?
Bei seinen zahlreichen Besuchen in Ruanda hat Gerd Hankel Antworten auf diese Fragen gesucht; er hat sie gefunden, doch entgegen einer weitverbreiteten Meinung sind sie widersprüchlich und im Ergebnis ernüchternd. Der Völkermord ist zu einem politischen Instrument geworden, das der Absicherung von Herrschaft dient. Nicht um Aufarbeitung und Versöhnung geht es, sondern um die Durchsetzung eines Geschichtsbildes, das keinen Widerspruch duldet. Hinter dem Vorzeigestaat in Zentralafrika, der gemeinhin als Leuchtturm der Entwicklung in der Region und als Vorbild der Vergangenheitsaufarbeitung gilt, verbirgt sich ein autoritäres, ja totalitäres Regime. Wie passt das zusammen? Wie viel Unrecht verträgt der Fortschritt?

Dr. jur. Gerd Hankel, Völkerrechtler und Sprachwissenschaftler, ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur. Neuere Publikationen: Das Tötungsverbot im Krieg. Ein Interventionsversuch (2011); Ruanda. Leben und Neuaufbau nach dem Völkermord. Wie Geschichte gemacht und zur offiziellen Wahrheit wird (2016).

Prof. Dr. Jan Philipp Reemtsma lehrt als Professor für Germanistik an der Universität Hamburg. 1984 gründete er das Hamburger Institut für Sozialforschung (HIS), das er von 1990 bis 2015 leitete.