Vortrag
Freitag, 2.2.2007, 09:30h

Dr. Rüdiger Zill

Einstein Forum, Potsdam

Waves of Fear

Wie lässt sich überhaupt von der Geschichte eines Gefühls sprechen? Bevor man die Konjunkturen der Angst erforscht, muss man zunächst ihre Konturen nachzuzeichnen versuchen, d.h. auch wie Angst sich verändert, wenn sie in verschiedene Konstellationen mit anderen Gefühlen gerät. Dann kann man auch die Frage stellen, was es bedeutet, wenn man von einem »Zeitalter der Angst« spricht. Heißt es, dass im Laufe zunehmender Naturbeherrschung unsere Ängste immer mehr abnehmen? Oder werden Ängste vor äußeren Gefahren zurückgedrängt zugunsten von Ängsten aus unserem Inneren: neurotischen Ängsten, Gewissensängsten? Statt solch linearer Entwicklungen sollte man vielleicht eher von Kulturen der Angst sprechen, von Zeiten, in denen dies Gefühl nachgerade »gepflegt« wird, und von Zeiten, in denen es eher zurücktritt. Daraufhin soll auch der öffentliche Diskurs in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg hin befragt werden.

Rüdiger Zill, geb. 1958, studierte Philosophie, Geschichte und Soziologie in Berlin und London. 1994 Promotion in Berlin mit der Arbeit Meßkünstler und Rossebändiger. Zur Funktion von Modellen und Metaphern in philosophischen Affekttheorien. Langjährige Tätigkeit als freier Autor für Rundfunk und Zeitungen; 1994–1997 Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Technischen Universität Dresden. Seit 1997 Wissenschaftlicher Referent am Einstein Forum, Potsdam. Ausgewählte neuere Publikationen: Hinter den Spiegeln. Zur Philosophie Richard Rortys (Mit-Hg. 2001); Gestalten des Mitgefühls (Hg., Schwerpunktthema von Berliner Debatte INITIAL, I/II 2006), Ganz Anders? Philosophie zwischen akademischem Jargon und Alltagssprache (Hg. 2006); Mitherausgeber der Reihe Erbschaft unserer Zeit in der edition suhrkamp.