Vortrag
Dienstag, 9.2.2016, 19h

Dr. Robert Lepenies

A.SK Fellow am Wissenschaftszentrum Berlin; Post-Doc Fellow an der Freien Universität Berlin

Should We Nudge the Poor? Some Proposals on the Limits of Behaviorally Informed Policy-Making

Gesprächsleitung: Prof. Dr. Susan Neiman, Potsdam

Nudges sind wohl die bekanntesten verhaltenswissenschaftlichen Politikinstrumente. Sie nutzen empirische Erkenntnisse über menschliche Gewohnheiten, die in Psychologie, Entscheidungstheorie und Verhaltensökonomie gewonnen werden, um damit menschliches Verhalten zu steuern. Aber darf man verhaltenswissenschaftliche Daten für das öffentliche Interesse einsetzen? Wenn ja, unter welchen Bedingungen ist es dann möglich, auf legitime Weise in Politik und Recht zu nudgen? Robert Lepenies argumentiert, dass Nudges spezifische Charakteristika aufweisen, die sich nur schwer mit demokratischen Prinzipien vereinbaren lassen. Denn Nudges sind nicht-normativ und nicht-kognitiv. Sie wirken, ohne dass Handlungsgründe vermittelt werden und sie beeinflussen menschliches Handeln, ohne dass die Betroffenen sich dessen bewusst sind. Es sind diese Aspekte des Nudging, die problematisch für eine demokratische Selbst-Gesetzgebung sind und damit für die Kontrolle, die ein soziales Kollektiv über die Evaluation, Deliberation und Wahl seiner Institutionen hat. Was aber, wenn Nudges zu erheblichen gesellschaftlichen Verbesserungen führen könnten? Wie sollen wir Nudges behandeln, die besonders die Position unterprivilegierter Menschen zu verbessern versprechen?

Robert Lepenies studierte Philosophie, Ökonomie und Politikwissenschaften an der Universität Oxford und Internationale Politische Ökonomie an der London School of Economics bevor er an der Hertie School of Governance in Berlin promovierte. Er forschte als Fulbright-Schuman Stipendiat am Global Justice Program der Yale University und als Max Weber Post-Doctoral Fellow am Europäischen Hochschulinstitut. 2015 erhielt er den A.SK Social Sciences Post-Doctoral Award des Wissenschaftszentrums Berlin und den WIWA-Nachwuchspreis für Plurale Ökonomik. Robert Lepenies leitet das Forschungsnetzwerk ‘Global Colleagues’ der Organisation Academics Stand Against Poverty (ASAP). Derzeit lehrt und forscht er am Institut für Praktische Philosophie der FU Berlin.

Vortrag in deutscher Sprache

Dienstag, 9. Februar 2016, 19 Uhr