Podiumsdiskussion
Mittwoch, 23.5.2018, 19h
Ort: Werkstatt der Kulturen, Wissmannstr. 32, 12049 Berlin

Replicating Atonement. Die deutsche Vergangenheitsbewältigung als Vorbild

 
Nicolas Moll, (Historiker, Sarajevo) und Peggy Piesche, (Kulturwissenschaftlerin, Berlin)
im Gespräch mit Mischa Gabowitsch, Potsdam, und Susan Neiman, Potsdam

Gesprächsleitung: Andrés Nader, Berlin

Taugt die deutsche Vergangenheitsbewältigung zum Vorbild? Spätestens seit den 1980er Jahren gilt das einstige Land der Täter weltweit zunehmend als Weltmeister der Aufarbeitung, die Nachkriegsentwicklung der Bundesrepublik als moralische Erfolgsgeschichte. Von China bis Ruanda, von Kanada bis Kroatien hört man aus Politik und Zivilgesellschaft immer wieder vom Vorbildcharakter des „deutschen Modells“ für die eigene Gesellschaft oder die eines Nachbarlands. Meilensteine wie Willy Brandts Kniefall zu Warschau, der Historikerstreit oder die Wehrmachtsausstellung werden bemüht, um die Versäumnisse der eigenen Aufarbeitung zu kritisieren. Was bezwecken solche Verweise? Woher kommt der Imagewandel Deutschlands? Und was bedeutet es in der Praxis, von Deutschland zu lernen?
Diesen Fragen geht das kürzlich erschienene Buch Replicating Atonement nach. Der von Mischa Gabowitsch herausgegebene Band bietet einen systematischen Zugriff auf das Thema. Wissenschaftliche Aufsätze und persönliche Essays behandeln Argentinien, Japan, das ehemalige Jugoslawien, Kanada, Libanon, Ruanda, Russland, die Türkei und die Südstaaten der USA.
Auf der Veranstaltung diskutiert der Historiker Nicolas Moll (Sarajevo) und die Kulturwissenschaftlerin Peggy Piesche (Berlin) mit dem Herausgeber Mischa Gabowitsch und der Autorin Susan Neiman. Gesprächsleiter ist Andrés Nader.

Die Diskussion findet auf Deutsch statt. Der Eintritt ist frei.

Dr. Nicolas Moll (Sarajevo) forscht zur europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts und koordiniert als freiberuflicher Berater transeuropäische Projekte in den Bereichen Zivilgesellschaft und Erinnerungsarbeit.
 
Peggy Piesche, Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, ist Referentin am Gunda-Werner-Institut für Feminismus und Geschlechterdemokratie der Heinrich-Böll-Stiftung. Sie forscht u.a. zu Diaspora und Translokalität sowie zur Performativität von Erinnerungskulturen.
 
Dr. Mischa Gabowitsch, Soziologe und Historiker, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Einstein Forum (Potsdam) und beschäftigt sich in seiner Forschung mit Kriegsdenkmälern und Gedenkpraktiken sowie mit Protest und sozialen Bewegungen.
 
Prof. Dr. Susan Neiman, Philosophin, ist Direktorin des Einstein Forums. Ihre jüngste Buchpublikation ist Widerstand der Vernunft. Ein Manifest in postfaktischen Zeiten (2017). Im Jahr 2019 erscheint Ihr Buch Learning from the Germans.
 
Dr. Andrés Nader ist Geschäftsführer der RAA Berlin (Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie e.V.). Er forscht u.a. zu Rassismus und Antisemitismus sowie zum Umgang mit traumatischer bzw. verbrecherischer Vergangenheit.

Mischa Gabowitsch (Ed.): Replicating Atonement. Foreign Models in the Commemoration of Atrocities

Eine Gemeinschaftsveranstaltung mit der RAA Berlin und der Werkstatt der Kulturen

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