Podiumsdiskussion
Dienstag, 3.5.2011, 19h

Natasza Goerke u.a.

Gibt es eine osteuropäische Literatur?

Lesung und Diskussion
 
Mit Beiträgen von Christa Ebert, Frankfurt/Oder; Natasza Goerke, Hamburg; Oleg Jurjew, Frankfurt/Main
Gesprächsleitung: Mischa Gabowitsch, Potsdam
 
Der Begriff „Osteuropa“ ist nach dem Verschwinden des Eisernen Vorhangs fragwürdig geworden. Welchen Inhalt hat er noch, nachdem die politische Zweiteilung Europas aufgehoben wurde? Diese Sinnsuche ist wichtig für das Selbstverständnis des zusammenwachsenden Europa. Sie beschäftigt vor allem die Osteuropaforschung, die ihre Kriterien überprüfen muss. Literatur ist in diesem Orientierungsprozess hilfreich, ist sie doch einerseits Teil einer gesamteuropäischen Tradition und andererseits Medium für nationale Repräsentationen. In der Literatur laufen die Fäden zusammen: Nationalspezifisches verknüpft sich mit allgemein Kulturellem, ausgedrückt in jeweils eigenwilliger sprachlicher Gestalt. Die herkömmliche Slawistik basiert auf sprachgeschichtlicher Nähe, aber genügt dies, um von einer gemeinsamen osteuropäischen Kultur, ja Literatur zu sprechen?
Was verbindet die russische und die polnische Literatur und was trennt sie? Wie hat die politische Wende diese Literaturen verändert?

Christa Ebert, Studium der Slawistik und Romanistik in Berlin und in Rostow, Dissertation 1977 und Habilitation 1990 an der Akademie der Wissenschaften der DDR, seit 1994 Professorin für Literaturwissenschaft/Osteuropa an der Europa-Universität Viadrina. Ausgewählte Publikationen: Sinaida Hippius. Versuchte Nähe. Ein Porträt (Berlin 2004), „Die Seele hat kein Geschlecht“. Zum Genderdiskurs in der russischen Kultur (Frankfurt a.M. 2004), Literatur in Osteuropa (Berlin 2010), Herausgeberin der Reihe Ost-West Diskurse.
 
Natasza Goerke wurde 1960 in Polen geboren. Sie studierte Polonistik und Orientalistik in Posen, Krakau und Hamburg, wo sie seit 1985 lebt. Auf Deutsch liegen u.a. vor: Abschied vom Plasma (Erzählungen, Hamburg 2000), Rasante Erstarrung (Roman, Innsbruck 2003) und Sibirische Palme (Erzählungen, Hamburg 2002).
 
Oleg Jurjew, geb. 1959 in Leningrad, lebt seit 1991 in Deutschland und schreibt auf Russisch und Deutsch. Zahlreiche Veröffentlichungen in Russland, u.a. Lyrikbände, Prosabücher, Theaterstücke. Er publiziert Gedichte, Prosa und Essays in renommierten deutschsprachigen Zeitschriften, hat eine eigene Kolumne im Tagesspiegel („Jurjews Klassiker“). Zahlreiche internationale Übersetzungen und Inszenierungen. 2010 Hilde-Domin-Preis der Stadt Heidelberg. In Deutschland wurden sieben Prosabücher veröffentlicht (zuletzt: Die russische Fracht, Frankfurt a.M. 2009). Jüngstes Buch: Von Orten. Ein Poem (Frankfurt a. M., Weimar 2010).