Vortrag
Freitag, 9.12.2016, 12h

Philipp Lepenies

Gastprofessor für Politikwissenschaft, Otto-Suhr-Institut, Freie Universität Berlin

Die Macht der einen Zahl. Eine politische Geschichte des Bruttoinlandsprodukts

Gesprächsleitung: Dr. Martin Schaad, Potsdam

Keine statistische Kennzahl beeinflusst die aktuelle Politik stärker als das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Noch in den 1930er Jahren existierten in England und in den USA unterschiedliche Vorstellungen davon, wie sich wirtschaftliche Vorgänge in Zahlen abbilden ließen. Nur eine dieser Methoden, der Vorläufer des BIP, bewährte sich im Zweiten Weltkrieg als Planungs- und Informationsinstrument und wurde in der Nachkriegszeit von den USA mit aller politischen Macht im Westen als Standard etabliert. Zusammen mit der Idee des Wachstums gab diese Methode Hoffnung auf eine Zukunft unendlichen materiellen Wohlstands. Obwohl mit seiner Hilfe nur ganz bestimmte Probleme gelöst werden sollten, monopolisiert das BIP seitdem den Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge.

Achtung! Matinee-Vortrag um 12 Uhr!

Philipp Lepenies, geboren 1971, ist Ökonom und Politologe. Er war über zehn Jahre als Projektmanager in der Entwicklungszusammenarbeit tätig. Sein Forschungsgebiet umfasst vor allem Transformations- und Entwicklungsprozesse, Armut und politische Instrumente der gesellschaftlichen Transformation. Neben Die Macht der einen Zahl. Eine politische Geschichte des Bruttoinlandsprodukts (2013) publizierte er Art, Politics and Development. How Linear Perspective shaped Policies in the Western World (2014). Im kommenden Jahr erscheint sein Buch Armut. Ursachen, Formen, Auswege.

Martin Schaad ist stellvertretender Direktor des Einstein Forums.