Vortrag
21.1.2016, 19:30h
Einstein Forum , Am Neuen Markt 7, 14467 Potsdam

Josef Früchtl

Professor für Philosophy of Art and Culture, Universität von Amsterdam

Cineastisches Raum – Zeit – Kontinuum

INTERSTELLAR und die Vision möglicher
Welten

Der Film INTERSTELLAR (2014) von Christopher Nolan bietet in seinen Bildern und seinem Narrativ eine der bisher besten cineastischen Umsetzungen der zeitgenössischen Astrophysik, freilich mit typischen Hollywood-Elementen. Aber entscheidend ist wieder einmal, dass letztlich die Kunst über die Wissenschaft siegt. Das heißt zum einen, dass der Film sich einfügt in das Modernitätsparadigma der Kunst, demzufolge es nicht (mehr) um Repräsentation, sondern um Vision geht; nicht mehr um Imitation (der Natur), sondern um Imagination; nicht mehr um die korrekte Darstellung der einen Welt, sondern um die Herstellung möglicher Welten. Und das heißt zum anderen, dass der Film sich selbst zu Recht als das anpreist, worüber die Mathematik nur spekulieren kann: als Raum-Zeit-Kontinuum, als dynamisierter Raum und verräumlichte Zeit.

Josef Früchtl studierte Philosophie, Germanistik und Soziologie in Frankfurt am Main und Paris; 1996 Professur für Philosophie mit dem Schwerpunkt Ästhetik und Kulturtheorie an der Universität Münster. Seine Forschungsschwerpunkte sind die philosophische Ästhetik, Theorien der Moderne, Kritische Theorie der Kultur sowie der Kulturwissenschaften und Philosophie des Films. Ausgewählte Publikationen: Vertrauen in die Welt. Eine Philosophie des Films (2013); Das unverschämte Ich. Eine Heldengeschichte der Moderne (2004); Ästhetische Erfahrung und moralisches Urteil. Eine Rehabilitierung (1996).

 
Josef Früchtl