Vortrag
Donnerstag, 20.4.2017, 19h

N. Piers Ludlow

Associate Professor, Department of International History, London School of Economics and Political Science

Brexit – An Accident Waiting to Happen?

Gesprächsleitung: Dr. Nicolai von Ondarza, Berlin

In seinem Vortrag wird der Historiker Piers Ludlow sich der Frage widmen, ob die 44 Jahre währende Ehe zwischen Großbritannien und dem Kontinent von Anfang an eine unglückliche war und damit zwangsläufig vor dem Scheidungsrichter habe enden müssen. Diese ebenso populäre wie vereinfachte Sichtweise auf den Brexit steht in einem auffälligen Gegensatz zu den nicht unerheblichen Vorteilen, die das Vereinigte Königreich über die Jahre aus der EG/EU-Mitgliedschaft hatte ziehen können und auch zur durchaus konstruktiven Rolle, die die Briten bisweilen in Brüssel gespielt haben. Darüber hinaus stellt sich die Frage, warum es in der Tat so lange gedauert hat, bis die immer schon vorhandene britische Europaskepsis an der Wahlurne zu einem entscheidenden Faktor werden konnte. Hierbei rücken eher kurz- bis mittelfristige Entwicklungen in den Blick: Die Dynamik der europapolitischen Auseinandersetzung innerhalb der Konservativen Partei, der Zusammenbruch einer breiteren proeuropäischen Koalition und die Bedeutung der Einwanderung als Katalysator für die Desillusionierung der Bevölkerung über das europäische Einigungsprojekt.

Piers Ludlow forscht und lehrt Internationale Geschichte an der London School of Economics and Political Science. Sein Forschungsinteresse gilt der Geschichte der europäischen Integration, insbesondere dem schwierigen Verhältnis des Vereinigten Königreichs zu diesem Einigungsprozess. Neben zahlreichen Aufsätzen und Sammelbänden hat er hierzu bislang drei Monographien vorgelegt: Dealing With Britain: the Six and the First UK Application (1997); The European Community and the Crises of the 1960s: Negotiating the Gaullist Challenge (2006) und Roy Jenkins and the European Commission Presidency (2016). Seine nächste Publikation wird sich – leider – mit der dann abgeschlossenen Geschichte der britischen Mitgliedschaft beschäftigen müssen.

Nicolai von Ondarza ist stellvertretender Leiter der Forschungsgruppe EU/Europa bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin.

Veranstaltung in englischer Sprache