Vortrag
Samstag, 16.12.2017, 12:00h

Martin Zillinger

Junior-Professor, A.R.T.E.S. Graduate School, Universität zu Köln

Aufweisen, Nachweisen, Zuweisen. Medientechniken des Übersinnlichen bei marokkanischen Trance-Bruderschaften

In der Trance werden Adepten marokkanischer Trance-Bruderschaften empfänglich für die „anderen Kräfte“ der djinn. Mit Hilfe ihrer rituellen Techniken weisen Trance-Tänzer ihre übersinnlichen Erfahrungen und das Wirken göttlicher Kräfte in rituellen Zusammenkünften aus und assistieren sich bei der Ausgestaltung von Besessenheitszuständen. Seit den späten achtziger Jahren fertigen die Bruderschaften Aufnahmen ihrer Rituale an und nutzen ihre wachsenden Trance-Medien-Archive zur Dokumentation ritueller Potenz. Diese Ritualfilme weisen zugleich rituelle Zugehörigkeit in den eng gewebten, spirituellen Netzwerken nach und werden auf dem unsicheren Weg in die europäische Migration unter den Adepten zirkuliert, um Schutz und Hilfe einzufordern. Zunehmend verlagert sich die Zirkulation ritueller Bilder auf soziale Plattformen wie Facebook, über die rituelle Befugnisse markiert und umverteilt werden. Neue Medien ermöglichen die transnationale Ausgestaltung der Rituale und ortsübergreifende, rituelle Kooperation. Zugleich gehen immer neue künstlerische und kulturelle Tätigkeitsfelder der rituellen Experten mit einer zunehmenden Bürokratisierung ihrer Praktiken einher. Welche Übergänge und Brüche lassen sich in der rituellen, technischen und bürokratischen Zurichtung des Paranormalen ausmachen – und wie kommt in diesen Übersetzungen die Fragilität des Übersinnlichen immer wieder neu zur Geltung?

Martin Zillinger ist Junior-Professor and der A.R.T.E.S. Graduate School, Universität zu Köln. Er studierte Philosophie und Ethnologie in Hamburg, Berkeley und Tübingen. Mitarbeit im Graduiertenkolleg „Die Figur des Dritten“ der Universität Konstanz; Dissertation zu marokkanischen Trance-Bruderschaften mit stationärer Feldforschung in Meknes, Marokko. Von 2007 bis 2013 Wissenschaftlicher Mitarbeiter im DFG Projekt „Trance-Medien und Neue Medien in den beiden Globalisierungsschüben (1900 und heute)“ an der Universität Siegen. Mitarbeit am Institut für Ethnologie der Universität zu Köln und am Lehrstuhl für Medientheorie der Universität Siegen. Forschungen zu Migration und religiösen Erneuerungsbewegungen im mediterranen Raum sowie zu Mediennetzwerken und sozio-technischen Transformationsprozessen in Nord- und Westafrika. Weitere Forschungsschwerpunkte: Religionsethnologie, Medienethnologie, Migration, Nordafrika, Euro-Mediterraner Raum.