Vortrag
Samstag, 27.1.2018, 14:30h

Martina Heßler

Angst und Ohnmachtsgefühle gegenüber Technik. Szenarien des (nicht bemerkten) Kontrollverlustes

Das Verhältnis von Angst und Technik ist komplex. Technik ist sowohl Mittel der Angstbewältigung, Quelle von Allmachts- und Kontrollgefühlen als auch Ursache für Angst und Ohnmachtsgefühle. Grundthese des Beitrags ist, dass beide – Allmachts- und Ohnmachtsgefühle gegenüber Technik – ihr Fundament in modernen Subjektvorstellungen und anthropozentrischen Konzepten haben, mithin in der Vorstellung eines autonomen, steuernden, kontrollierenden Subjekts.
Dies zeigt sich in unterschiedlichen Szenarien der Technikangst: der Angst vor Ersetzung und Unterlegenheit der Menschen, der Angst und Ohnmacht bei einem Nichtfunktionieren der Technik sowie dem Gefühl des Ausgeliefertsein. Hierbei handelt es sich um Grundkonfigurationen der Technikangst seit der Frühen Neuzeit, die ihren Fluchtpunkt in der Angst vor Kontrollverlust haben und häufig einer Angst „um den Menschen“ gleichen. Aufschlussreich ist allerdings nicht zuletzt der Blick auf Angstlosigkeit, die sich, so die These, derzeit im Umgang mit technischen Gadgets und auch mit dem Internet findet. Obgleich diese in der Logik des modernen, kontrollierenden Subjekts zu den heutigen Angstanlässen gehören, lässt sich hier eine erstaunliche Angstlosigkeit erkennen. Der Vortrag möchte dieser Ambivalenz nachgehen und auch die Koproduzenten der Angstlosigkeit in den Blick nehmen.

Martina Heßler ist seit 2010 Professorin für Neuere Sozial-, Wirtschafts- und Technikgeschichte an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg. Zuvor war sie Professorin für Kultur- und Technikgeschichte an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Zurzeit liegt ihr Forschungsschwerpunkt im Bereich Historische Technikanthropologie, insbesondere dem Mensch-Maschinen-Verhältnis seit der Frühen Neuzeit.
Website: https://www.hsu-hh.de/histec/teamhessler