Vom Detail zum Exempel. Mikrohistorische Perspektiven

„Die Betrachtung aus der Nähe erlaubt uns Dinge zu erfassen, die bei einer Gesamtschau verlorengehen, und umgekehrt.“ (Carlo Ginzburg)

Einen besonderen Zugang zum Verständnis historischer Zusammenhänge zeichnet das Arbeitsgebiet zur Mikrogeschichte aus. Minutiöse Rekonstruktionen von Einzelschicksalen oder auf den ersten Blick unbedeutenden historischen Ereignissen können neue und ungewöhnliche Perspektiven auf vermeintlich geklärte Epochenfragen eröffnen. Dabei geht es um mehr als um Alltagsgeschichte. In welchem Licht erscheinen politische Großereignisse, gesellschaftliche Wandlungen oder auch markante ideologische Strömungen, wenn sie durch das Prisma eines einzelnen Individuums oder eines konkreten, aber unerheblichen Vorfalls betrachtet werden?

Aktuelle Arbeiten:

In Vorbereitung ist eine Studie von Martin Schaad über einen weitgehend in Vergessenheit geratenen Hochverratsfall im Königreich Dänemark-Norwegen, in dem sich die vielfältigen sozialen, kulturellen, ökonomischen, politischen, militärischen wie auch wissenschaftlichen Entwicklungen zu Beginn des 18. Jahrhunderts spiegeln.

 

Aus dem Schwerpunkt sind unter anderem folgende Veranstaltungen hervorgegangen:
Seit einigen Jahren werden in loser Folge Vortragsabende zum Arbeitsgebiet Mikrogeschichte ausgerichtet. Unter den eingeladenen Referenten waren Robert Darnton, Natalie Zemon Davis, Mary Fulbrook, Carlo Ginzburg, Anthony Grafton, Rebekka Habermas, Andreas Magdanz und Inga Markowitz.

 

Ausgewählte Veröffentlichungen:
Martin Schaad: Eine Rehabilitierungs-Maßnahme. Alfred Kurellas Kritik an Bertolt Brechts Lob der Parteidisziplin, in: Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte, 3/2011
Martin Schaad: „Dann geh doch rüber…“ Über die Mauer in den Osten (2009)
Martin Schaad: ‘Dieser phantastische Idiot‘ oder: Eine kurze Typologie historischer Bedeutungslosigkeit, in: Leuchtfeuer, 10 Jahre Einstein Forum (2003)