Pictures on the Inside? From Representation to Mental Representation

Barbara M. Stafford
William B. Ogden Distinguished Service Professor of Art History, University of Chicago; z.Zt. Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin

Gesprächsleitung: Dr. Rüdiger Zill, Potsdam

Im allgemeinen unterstellen wir heute immer noch, dass unser Selbst eine dauerhafte Kontinuität aufweist – nachzulesen bei einer Vielzahl von Autoren von Plato bis Graham Greene. Doch die Geschichte kennt auch eine Vielzahl von Hinweisen auf nicht-pathologische »episodische« Individuen: Personen, die ihr Leben nicht gewohnheitsmäßig als zusammenhängende Geschichte fassen (Montaigne, Shaftesbury, Coleridge, Ford Madox Ford). Was sich hier zeigt – und womit sich die Wissenschaften bisher nur allmählich zu beschäftigen beginnen –, ist der flüchtigste aller Aspekte des fühlenden menschlichen Geistes: die Qualität unserer Selbst-Empfindung. Barbara M. Stafford wird darstellen, dass »episodische« Autoren und »uneinheitliche« Künstler Einblicke in die Unsicherheit und Instabilität des Selbst-Bewußtseins geben können. Eben weil sie zerklüftete Improvisationen und blitzartige Spontaneität bevorzugen – und dabei ungleiche und antithetische Elemente miteinander verfugen, statt sie zu vermengen und zu vermischen –, eröffnen die daraus entstehenden Werke einen Ausblick auf den ungleichmäßigen und reziproken Entstehungsprozess des Selbst aus einem Gewirr von Neuronen. Auch für die Kunstgeschichte ist es daher überlebenswichtig, dass ihre Protagonisten die neuen Beschreibungen geistiger Repräsentationsprozesse, die von der Neurobiologie und der Kognitionswissenschaft entwickelt werden, verstehen und mit ihrer Hilfe die humanistische Theorie der Repräsentation, die ihren Ursprung in Aristoteles hat, überdenken. 

Dienstag, 6. Juni 2006