Cultural Representations of Autism and the Idea of Function
Stuart Murray
Professor of Contemporary Literatures and Film, University of Leeds
Gesprächsleitung: Dr. Marianne Hirschberg, Berlin
In vielen Beschreibungen der Entwicklungsstörung Autismus dominiert noch immer die Unterscheidung zwischen so genannten niedrigfunktionalen (low-functioning) und hochfunktionalen (high-functioning) Autisten, obwohl die Diagnose des Autismus als Spektrumsstörung mittlerweile weithin anerkannt ist. Ausgehend von den grundlegenden Arbeiten Leo Kanners und Hans Aspergers und der mit Uta Frith und Lorna Wing verbundenen Weiterentwicklung in der kognitiven Psychologie und der Sozialpsychiatrie, zeichnet Stuart Murray die Herausbildung der Idee des low- und high-functioning nach, bevor er dann einige aktuelle Phänomene vorstellt, in denen sich diese konzeptionelle Differenzierung noch immer wieder findet: in den Kampagnen der Interessenorganisationen Autism Speaks (USA) und National Autistic Society (UK), in der Diskussion über vorgeburtliches Screening, in den Medienberichten über den britischen Hacker Gary McKinnon, der in die Computer des US Verteidigungssystems eingedrungen war und bei dem das Asperger-Syndrom diagnostiziert wurde und schließlich in der Literatur, wie etwa dem neuesten Roman von Roopa Farooki (The Way Things Look to Me). Abschließend wird sich Stuart Murray der Frage zuwenden, warum diese irreführenden Beschreibungen trotz des großen Interesses an Autisten fortbestehen und welche Gefahren damit verbunden sind.
Stuart Murray ist Professor für zeitgenössische Literatur und Film an der Universität Leeds. Im letzten Jahr ist sein Buch Representing Autism: Culture, Narrative, Fascination erschienen.
Dienstag, 8. Dezember 2009, 19 Uhr
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